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Dieser Beitrag über meine Erfahrungen in der Hochzeitsfotografie der letzten 3 Jahre beinhaltet viel Sarkasmus. Dank einer Teilnehmerin eines Junggesellinnenabschieds habe ich mich dazu entschlossen, euch in meiner lockeren Art daran teilhaben zu lassen, wieso manche Hochzeitsaufträge einfach abgelehnt werden müssen.

Ist es nicht schön? Du bekommst an einem Abend eine telefonische Anfrage für eine Hochzeitsreportage. Das zukünftige Brautpaar hat genaue Vorstellungen und zudem bringt sich auch der angehende Bräutigam ein. Beide haben konstruktive Ideen, wie die Bilder und das Shooting gestaltet werden soll. Die Location steht für die beiden schon fest, doch bei der einen oder anderen Frage wollen sie sich auf die Kreativität des Fotografen verlassen. Ein Beratungs- und Kennenlerngespräch nehmen beide mit Freude an und somit wurde bereits nach wenigen Tagen ein Termin gefunden, zu dem man sich traf. Man war sich sympathisch, meine Arbeiten waren genau das, was sich beide vorstellten und wir kreierten ein individuelles Konstrukt für ihre Hochzeit. Nach rd. 90 Minuten stand alles fest. Als ich ihnen dann ein Angebot unterbreitete mit all ihren Extras und besonderen Bearbeitungswünschen sahen mich beide an, als käme ich von einem anderen Planeten. „Wir möchten das Ganze als TfP!“ Es gibt einfach Momente im Leben da können Menschen so unglaublich liebenswert sein. So liebenswert, dass man sie am liebsten in die Wange kneifen möchte und am Informationsschalter die beiden Kinder aus dem Bälle-Paradies abholen lassen. Doch nirgendwo war ein Schild mit einem großen „i“ oder eine Aufschrift „Information“ zu finden.

„Du darfst uns fotografieren, ist das nicht eine Ehre?“

Ich liebe Komödien. Ich liebe Psychothriller. Ich liebe Horrorfilme. Apropos  Horrorfilme, die Frage „Wer ist da?“ ist in etwa genauso sinnvoll, wie „ich möchte das du unsere Hochzeitsbilder als TfP umsetzt“.  Ist es nicht toll, ich darf eine ganze Hochzeitsreportage unentgeltlich ablichten. 10-14 Stunden auf der Hochzeit sein. Wow ist das nicht toll? Ich plane die Hochzeitsbilder mit dem Brautpaar bis ins Detail. Ich setze einen Zeitplan mit dem Brautpaar fest und die Besonderheiten, die ich jedem Brautpaar auf einer Hochzeit biete, wofür sie immer dankbar sind, weil es so wenige einplanen, das mach ich bei diesem einen Brautpaar kostenlos. „Du darfst uns fotografieren. Du darfst mit unseren Hochzeitsbildern werben, so fern wir dir erlaubt haben, diese Bilder auch zu nutzen und du darfst gerne die Bilder schon am nächsten Tag fertig bearbeitet haben. Ich bin immer so begeistert, eine Fotoausrüstung kostet so oder so kein Geld. Speicherkarten wachsen im Garten am Baum. Bildbearbeitung hat auch nie Zeit in Anspruch genommen, um sich gewisse eigene Stile anzueignen oder sogar in Schulungen zu investieren. Aber ich darf gerade eure Hochzeit begleiten? Wow. Ich bin so dankbar. – Übrigens ich muss unbedingt mal wieder Scream sehen, denn ein „Wer ist da?“ klingt doch bei als „Geht das auch als TfP?“

„Du drückst doch eh nur auf den Auslöser“

„Du willst dafür bezahlt werden, dass du nur auf den Auslöser drückst?“ Ist es nicht toll. Du gehst einfach online, fertigst dir in ein paar Minuten 500 Visitenkarten an, nennst dich Hochzeitsfotograf und kassierst im Monat tausende von Euros. Ist es nicht toll? Im Elektronik-Discounter wird mal wieder eine Spiegelreflexkamera angeboten für keine 300 Euro. Ach komm, wozu denn? Ich schließ einfach einen 2. Handyvertrag ab, hat das neueste Smartphone dabei mit einer Top Kamera. Hey, die hat sogar eine 1.8er Blende. Was heißt das eigentlich? Ach, egal. Hey ich bin jetzt Hochzeitsfotograf. Ich muss nichts einstellen. Das macht alles das Handy und dann kann ich dem Brautpaar direkt die Bilder per Whatsapp schicken. Diese ganzen Profifotografen mit ihrem Photoshop-Getue. Ich bin viel cleverer als die, das kann alles mein neues Handy.

Es wird Zeit für ein wenig Realität

 

Schluss mit dem Sarkasmus. Ich muss euch eines sagen, ich habe zwar pausenlos gegrinst und lachen müssen, als ich diesen Beitrag schrieb, aber eigentlich ist es traurig, wieviel Respektlosigkeit man sich manchmal gefallen lassen muss. Fotografie ist der Inbegriff für das einfangen eines schönen Moments oder eines Augenblicks. Dies kann ein schöner Sonnenuntergang sein, ein Model abzulichten, die junge Dame von nebenan oder auch einfach einen Menschen, den etwas Besonderes zu dem macht, was er oder sie eben ist. Etwas Besonderes. Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Bei einer Hochzeit gibt es nicht nur einen schönen Moment. Bei einer Hochzeit muss man schnell genug sein keinen schönen Moment zu verpassen. Das Eintreffen des Brautpaars. Das versammeln der Gäste. Diese Momente bevor es richtig los geht. Die Spannung und die Aufregung im Gesicht des Bräutigams. Die Brauteltern, die es kaum erwarten können. Die Aufregung, wenn es an die Ringe geht. Der Moment, wenn eine der beiden vor Nervosität den Ring nicht über den Finger bekommt oder einfach, wenn die Freudentränen bei den Gästen während der Zeremonie entstehen. Ich könnte jetzt dauernd so weiter machen. Doch viel mehr möchte ich ein Thema allen angehenden Brautpaaren vor Augen führen. Habt ihr schon einmal versucht in das nächste Autohaus eures Luxusherstellers zu gehen und zu sagen, ihr möchtet die und die Limousine/Sportcoupe/SUV mit Vollaustattung, spezieller getunter Motorvariante zu erwerben und zu sagen „hey, ich habt die Ehre mir das Auto zu geben, dafür wollt ihr doch wohl kein Geld verlangen“ oder ihr bucht eure Luxusweltreise und sagt dem Reisebüro „hey, ihr dürft damit werben, dass ihr mir die Reise vermittelt habt“.

Welcher normaldenkende Verbraucher würde auf so eine Idee kommen? Wer heiratet weiß im Vorfeld, dass dies mit vielen Kosten verbunden sein wird. Ein Brautkleid mit Anpassungen, Schleier, ggf. Reifrock, etc. werdet ihr auch nicht einfach so in die Hand gedrückt bekommen. Der Juwelier wird euch auch nicht sagen, hey kommt zu mir, von mir bekommt ihr Diamantringe einfach so, weil ihr es seid, die heiraten werden. Warum soll es dann der Hochzeitsfotograf? Ganz einfach, weil die Abkürzung TfP ( Time for Print ) von vielen ausgebeutet wird. Ich sehe immer wieder so tolle Arbeiten, auch wenn ich ein großer Freund von TfP bin, aber viele sehen oft nicht, welche Kosten ein Fotograf aufwendet, nur damit ihr eure Traumbilder bekommt. Warum sind Hochzeiten oft kostspielig? Ihr bekommt weitaus mehr, als nur einen Fotografen und Bilder. Ihr bekommt Erfahrung. Ihr bucht einen Fotografen, der weiß wovon er spricht. Der mit euch gemeinsam eure Hochzeitsbilder bespricht, plant und so umsetzt, wie ihr es euch immer gewünscht habt. Er kann euch Ideen und Kreativität an die Hand geben, die ihr im Stress der Hochzeitsvorbereitungen nicht vor Augen hattet. Doch hinzu kommt noch etwas anderes, jeder Hochzeitsfotograf hat seine eigene Strategie und Planungsvariablen, wie er eure Bilder umsetzt.

Bevor ich zum Ende komme…

Viele Brautpaare glauben der Fotograf braucht keine Erfahrung er soll nur ein paar Fotos machen. Wir wollen eigentlich nichts Besonderes. Schreibt euren Fotografen des Vertrauens an. Wenn ihr jemanden im sozialen Netzwerk sucht, der eure Hochzeit in Bilder einfangen soll, dann redet offen mit ihm. Vereinbart einen Termin und seien die Bilder noch so toll, überzeugt euch von ihm oder ihr, mit einem kleinen Probeshooting. So wisst ihr, ob die Chemie stimmt und ihr die Ergebnisse erhaltet, die ihr euch wünscht. In der Vergangenheit wurden mir immer wieder von haarsträubende Erfahrungen berichtet, aber wenn es um die Hochzeitsfotografie geht, dann muss die Chemie stimmen. Eine Hochzeit findet nur einmal statt (oder sollte) und wenn ihr etwas Besonderes wollt, dann nehmt lieber etwas Geld in die Hand als am Ende durch fehlende Erfahrung nur Handyschnappschüsse vorliegen zu haben.

Nehmt diesen Beitrag als das was er ist, eine Mischung aus Satire, Sarkasmus und Erfahrung. Ich fotografiere gerne auf TfP Basis, doch wenn es um Hochzeitsfotografie geht, dann hat diese Form dort nichts verloren.

2 comments

  1. Deswegen stehen bei mir Preise auf der Homepage, um genau solche Leute zu verschrecken.

    Vielleicht hätte man aber vorher fragen können, welches Budget die haben für den Fotografen, dann hätte man sich das ganze Kennenlernen etc. gespart.

    Was lernt man daraus?
    TFP ist wieder im Kommen in der Hochzeits Branche ? und die Menschen werden immer dreister.

    Ich wünsche Dir weiterhin gut Licht und nicht so #arschige Kunden.

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar :-) Das Budget war im Vorfeld benannt worden und genau das war der Knackpunkt. Die Dreistigkeit um die viel umworbene Gei.. i.. g… Einstellung nimmt einfach Überhand. Das Thema Preisliste wird wohl doch bald ein Thema werden…. Danke. Da wünsche ich dir auch :-)

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