Langzeitbelichtung bei Dunkelheit

Wasserfälle, Flüsse oder auch einfacher Bäche können durch Langzeitbelichtung eine epische Stimmung erzeugen. Eigentlich ist die Langzeitbelichtung gar nicht so neu. In den letzten 2-3 Jahren begegnen mir solche Bilder immer häufiger und es scheint ein regelrechter Hype entstanden zu sein. Für mich entwickelt die Langzeitbelichtung vor allem dann einen besonderen Effekt, wenn bei Dämmerung oder nächtlicher Dunkelheit ein Lichterspiel hinzukommt.
Die klassische Aufnahme ist wohl die Autobahn. Man positioniert sich auf einer Autobahnbrücke und belichtet ein Bild von mehr als einer Sekunde. Schnell entsteht ein interessantes Farbspektrum entlang der Fahrbahn. Doch wie funktioniert die Langzeitbelichtung und was benötige ich dafür?

  • ein stabiles 3-Bein-Stativ
  • ein lichtstarkes Objektiv (bei Bedarf)
  • ggf. eine Fernbedienung für die Kamera

Der Untergrund und das Stativ

Der Aufbau für eine Langzeitbelichtung
Der Aufbau für eine Langzeitbelichtung

Die  Voraussetzung für eine Langzeitbelichtung ist ein möglichst ruhiger Untergrund. z.B. eine Autobahnbrücke, über die einige Vibrationen durch hohes Verkehrsaufkommen (PKW, LKW, Busse, etc.) verursacht werden, können trotz Stativ zu vielen unerwünschten Verwackelungen führen. Bei stabilen Stativen ist das nicht ganz so das Problem, sofern die Belichtungszeit nicht länger als 1,5 Sekunden beträgt. Meiner Erfahrung nach begannen die großen Vibrationen erst ab einer Belichtungszeit von 2 Sekunden.

Sofern man nicht gerade auf einer Autobahnbrücke steht oder auf einem Untergrund, der starken Vibrationen ausgesetzt ist, wird keine Probleme haben. Ich selbst nutze seit mehreren Jahren kein High-End Stativ der gehobenen Preisklasse, dennoch wurden auch damit viele kleine Vibrationen vom Stativ abgefangen.
Muss es denn ein Stativ sein? Nein. Eine feste Fläche auf der man seine Kamera abstellt, reicht auch schon aus jedoch ist man damit nicht so flexibel. Mit Hilfe eines Stativs kann man gezielte die Kamera in die richtige Position bringen.

Die Wahl des Objektivs

die störenden Vibrationen sind unten im Bild klar zu erkennen

Durch die Belichtungszeiten spielt die Lichtstärke des Objektivs nur eine untergeordnete Rolle. Meine ersten Erfahrungen in der Langzeitbelichtung machte ich mit meiner Canon EOS 300D und dem Kit-Objektiv einem EF-S 18-55mm 1:3,5-5,6. Sehr Lichtstark war dieses Objektiv nicht und lieferte mir die Ergebnisse, die ich mir vorstellte. Was jedoch von entscheidender Bedeutung sein kann ist die Glasqualität des Objektivs. Der Unterschied zu einem lichtstarken Objektiv in dem z.B. Carl Zeiss Gläser verbaut wurden, offenbart sich sobald verschieden kräftige Farbquellen ins Spiel kommen. Zumindest war das mein Eindruck.

Fernbedienung: ja oder nein?

Vibrationen, Erschütterungen und jegliche Erschütterungen des Standes der Kamera können das gewünschte Ziel zum scheitern führen. Selbst wenn Vibrationen durch die Umgebung unterbunden wurden, kann es doch noch einen Störimpuls geben – Der Verschluss bzw. die Auslöser Mechanik –
Sobald der Auslöser an der Kamera betätigt wird entstehen geringfügige Vibrationen. Durch diesen Vorgang kann es auch passieren, dass Bilder in der Langzeitbelichtung unter Verwackelungen zu leiden haben. Daher ist eine Fernbedienung entweder über Funk oder gar über Kabel Pflicht. Die Vorteile liegen auf der Hand. Keine Erschütterungen an der Kamera durch betätigen des Auslösers, keine versehentlichen Erschütterungen die man selbst am Stativ hervorgerufen hat.

Langzeitbelichtung bei 4 SekundenIch persönlich tendiere zu einer Kabellösung. Ich nutze seit mehreren Jahren eine Fernbedienung die mir die Möglichkeit einräumt über einen Timer im Bulb Modus festzulegen, wie lange belichtet wird oder sogar bis zu 5 Belichtungsreihen nach Zeitfenstern zu hinterlegen. Wenn man HDR Bilder (natürlich nicht bei Nacht) erzeugen möchte, ist das ein nettes Extra.

Was muss bei den Einstellungen beachtet werden?

Das Stativ ist aufgebaut, die Kamera ist in Stellung gebracht und die Fernbedienung ist angeschlossen, wie geht es jetzt weiter? Ich habe eine kleine Checkliste bei der Langzeitbelichtung, auf diese ich in meinem nächsten Beitrag gezielter eingehen werden.

  • Bildstabilisator am Objektiv deaktivieren
  • den gewünschten Modus (bulb oder manual) an der Kamera einstellen
  • die Blende auf einen Wert zwischen 18-22 (bei Nachtaufnahmen) einstellen
  • Iso Wert bestimmen
  • schärfe Punkt wählen und diesen beibehalten
  • 1-2 Testaufnahmen durchführen (bei Bedarf die Kamera nachjustieren, sofern nötig)

Wenn das beachtet wurde steht den erfolgreichen langzeitbelichteten Aufnahmen bei Nacht nichts mehr im Weg.

Hier geht es in die Gallerie.

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