von der Inspiration zum Plagiat einer Idee

Ich stehe in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Ich halte mein Tablet in der Hand und bin gerade dabei mir einige Arbeiten von Profi Fotografen und Amateur sowie Hobbyfotografen anzusehen. Ich entdecke Werke die mich einfach faszinieren. Sei es das Setup für die gesamte Aufnahme oder eine bestimmte Form der Bildbearbeitung oder sogar eine Pose die das Model vor einer bestimmten Kulisse eingenommen hat. Ich klicke mich weiter durch Arbeiten eines/einer Hobbyfotografen/in, auf die ich gerade zum ersten Mal aufmerksam geworden bin. Als ich mir weitere Arbeiten ansehe muss ich feststellen, die Arbeiten sehen so aus wie von 1 bis 2 anderen Fotografen die ich schon länger verfolge. Bei der näheren Betrachtungsweise sehe ich, dass es 1:1 umgesetzt wurde. Zwar mit einem anderen Model und einem anderen Hintergrund, doch das Model sowie die Location haben viel Ähnlichkeit mit der anderen Arbeit.

„Wo ist die persönliche Note?“

Gerade in den letzten 4-5 Wochen, in der bei mir kein TfP-Shooting anstand, stöberte ich immer wieder Fotografieseite und Homepages sowie Fotoblogs durch. Was mir immer wieder auffällt, viele Aufnahmen gleichen der anderen. Bei einigen Postings der Modelle ist das normal, doch wenn das Setup, welches maßgeblich vom Fotografen organisiert und gestaltet wird, immer wieder gleich wirkt, frage ich mich wo die Inspiration liegen geblieben ist. Gerade für mich ist es wichtig meine Aufnahmen nicht so zu gestalten wie es jeder andere macht. Vor allem jetzt im Sommer scheint es einen Trend zu geben viele Aufnahmen mit einem leichten sommerlichen Schimmer zu belegen. Wenn man einen leichten romantischen Touch einarbeiten möchte sieht es wirklich gut aus, doch wenn man dies auf fast jeder Aufnahme mit einem weiblichen Modell wiederfindet, wirkt es irgendwann langweilig. Gerade im Sommer hat man so viele kreativen Möglichkeiten. Was nicht bedeuten soll, dass alles schlecht aussieht nur weil man einen Stil für sich „übernommen“ hat. Doch sollte das Setup die eigene Handschrift tragen. Das vermisse ich derzeit immer wieder.

„Inspiration ist kein Plagiat“

Vor wenigen Tagen entdeckte ich einige Aufnahmen einer Hobbyfotografin bei Facebook, die mich wirklich inspiriert haben. Sie setzte Vorurteile vor sommerlicher Kulisse um. Diese Aufnahmen lösten bei mir regelrechte kreative Stürme aus. Nicht in der Form, dass ich sagen würde, ja ich stürze mich in Vorurteile hinein und klaue ihr einfach ihre Idee. Das wäre schon nicht gegangen, da ich andere Ideen habe.

Es gestalteten sich einzelne Blöcke, die sich nach und nach zu einem ganzen formten. So entwickelte sich eine Idee für ein neues Shooting. Gerade als ich das Setup vor Augen hatte, fehlte mir nur noch das Model. Doch wer würde dafür in Frage kommen? Für diese Location benötige ich ein Charaktergesicht. Ein Model das sich vor dieser Location entfaltet, aber auch zugleich die Location hervorhebt. Vielleicht habe ich meine Ansprüche in dem Moment sehr hochgeschraubt, aber es soll deutlich anders wirken. Nachdem ich ein Gesuch veröffentlichte wurde ich direkt von der sympathischen Bille angeschrieben, die meine Erwartungen an das Model für dieses Setup sehr schnell erfüllte. Die gemeinsame Basis war sehr schnell gefunden und unser Ziel anvisiert. Bei einem spontanen Shooting in der Dämmerung bzw. bei Nacht an einem See konnte ich mich davon überzeugen.

„Inspiration mit Hilfe des Models realisieren“

Ich kann es mir einfach machen und schicke meinem Model ein Bild, dessen Setup ich genauso umsetzen möchte. Sollte sie sich dazu einverstanden erklären (keines meiner Modelle, mit denen ich bisher zusammengearbeitet habe, würde sich dafür hergeben), befindet man sich direkt im Plagiat.

Das ist für mich keine Fotografie mehr und die Inspiration wäre dann nie existent gewesen. Meine Kamera stellt meine Augen dar, so wie ich mein Model sehe geführt von der Inspiration aus einer Idee, die ich eingefangen habe. Meine Arbeiten sollen meinen Blick wie ich das Model sehe, meine persönliche Handschrift erhalten und sich zu einem gemeinsamen Projekt entwickeln. Das erreiche ich nicht, in dem ich einfach ein Bild bzw. dessen Setup kopiere und so kann ich mich auch nicht weiterentwickeln.

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